Artikel #002: Was ist Panik und wie entsteht eine Panikattacke?

Stell dir vor, du sitzt an einem ganz normalen Tag entspannt auf der Couch oder stehst an der Supermarktkasse, als plötzlich dein Herz zu rasen beginnt. Deine Hände werden feucht, deine Atmung flacher, dir wird schwindelig, vielleicht sogar übel. Dein Brustkorb schnürt sich zusammen und in deinem Kopf breitet sich nur ein Gedanke aus: „Was passiert hier mit mir? Ist das gefährlich? Werde ich ohnmächtig?“

Wenn du diese Situation kennst, bist du nicht allein. Millionen Menschen weltweit erleben Panikattacken – oft völlig unerwartet und ohne erkennbaren Grund. Doch was passiert da eigentlich in unserem Körper? Warum fühlen sich Panikattacken so bedrohlich an, obwohl es keine echte Gefahr gibt? Und warum treten sie scheinbar aus dem Nichts auf?

Die Antwort liegt in unserem Nervensystem, das auf eine Art „Fehlalarm“ reagiert. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass Menschen mit Panikattacken eine Überreaktion in der Amygdala, unserem Angstzentrum im Gehirn, haben (Stein et al., 2007). Diese Region ist eigentlich dazu da, uns in Gefahrensituationen zu schützen – aber manchmal sieht sie eine Bedrohung, wo gar keine ist.

Lass uns gemeinsam einen Blick darauf werfen, was in einer Panikattacke passiert, warum unser Körper dabei so stark reagiert und was das für uns bedeutet.

Was genau ist eine Panikattacke?

Viele von uns verwenden Begriffe wie „Panik“ oder „Angst“ im Alltag ganz selbstverständlich: „Ich hatte Panik vor meiner Prüfung“ oder „Ich kriege Panik, wenn ich an Spinnen denke“. Doch wenn wir über Panikattacken sprechen, geht es um etwas anderes.

Laut der DSM-5-Klassifikation (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders) sind Panikattacken plötzliche und intensive Angstepisoden, die von starken körperlichen Symptomen begleitet werden (American Psychiatric Association, 2013). Sie dauern in der Regel zwischen 10 und 30 Minuten, erreichen ihren Höhepunkt nach wenigen Minuten und klingen dann langsam wieder ab.

👉 Das Entscheidende ist: Die Symptome sind real, aber es gibt keine äußere Bedrohung. Unser Körper reagiert so, als wären wir in Lebensgefahr – aber das sind wir nicht.

Warum fühlt sich eine Panikattacke so real an?

Um das zu verstehen, müssen wir uns anschauen, was in unserem Körper passiert. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Panikattacken eine Fehlsteuerung der Kampf-oder-Flucht-Reaktion sind (Craske et al., 2010). Das bedeutet: Unser Körper glaubt, dass eine Bedrohung existiert – und schaltet in den Überlebensmodus.

🔍 Das passiert dabei Schritt für Schritt:

1️⃣ Die Amygdala schlägt Alarm – unser Angstzentrum im Gehirn sendet ein Signal: „Achtung, Gefahr!“
2️⃣ Unser Körper setzt Adrenalin frei – das Stresshormon sorgt dafür, dass wir bereit für Flucht oder Kampf sind.
3️⃣ Unsere Atmung wird schneller und flacher – damit mehr Sauerstoff ins Blut gelangt. Doch das verstärkt Schwindelgefühle und das Gefühl der Atemnot.
4️⃣ Unser Herz schlägt schneller – es pumpt mehr Blut durch unseren Körper, damit wir in Sekundenschnelle reagieren können. Das kann sich wie ein Herzinfarkt anfühlen.
5️⃣ Unsere Wahrnehmung verändert sich – viele Menschen erleben ein Gefühl der Unwirklichkeit, als wären sie nicht wirklich „da“.

Diese körperlichen Prozesse sind evolutionär sinnvoll – schließlich haben sie unseren Vorfahren das Überleben gesichert. Das Problem ist nur: Bei einer Panikattacke gibt es keine echte Gefahr. Unser Körper reagiert trotzdem so, als würden wir einem wilden Tier gegenüberstehen.

Warum erleben manche Menschen Panikattacken und andere nicht?

Hier kommt die Wissenschaft ins Spiel. Studien zeigen, dass Panikattacken nicht nur psychologisch, sondern auch biologisch und genetisch beeinflusst werden können.

🔬 3 wesentliche Faktoren, die Panikattacken begünstigen:

Neurobiologische Sensibilität: Manche Menschen haben eine empfindlichere Amygdala, die Bedrohungen schneller erkennt – auch wenn keine da sind (Stein et al., 2007).
Frühere Erlebnisse & Trauma: Menschen, die in der Kindheit Angst oder Unsicherheiten erlebt haben, sind anfälliger für Panikattacken (McLaughlin et al., 2010).
Dauerhafter Stress & Erschöpfung: Chronischer Stress hält unser Nervensystem ständig auf Alarmbereitschaft – bis es irgendwann „überreagiert“.

Das bedeutet: Panikattacken sind nicht deine Schuld. Sie sind keine Einbildung. Sie sind eine völlig natürliche Reaktion deines Körpers – nur eben im falschen Moment.

Warum bleiben Panikattacken oft nicht einmalig?

Vielleicht hast du nach deiner ersten Panikattacke gedacht: „Das war ein einmaliges Erlebnis.“ Doch dann passiert es wieder – vielleicht Tage oder Wochen später. Warum?

Das liegt an der Erwartungsangst. Unser Gehirn speichert Panikattacken als extrem negative Erfahrung ab. Das nächste Mal, wenn wir in eine ähnliche Situation kommen (z. B. wieder im Supermarkt oder auf der Couch), erinnert sich unser Gehirn daran – und löst die nächste Panikattacke aus.

🔄 So entsteht der Teufelskreis der Panik:
1️⃣ Erste Panikattacke → 2️⃣ Körperliche Symptome werden mit Gefahr verknüpft → 3️⃣ Angst vor einer erneuten Attacke → 4️⃣ Stresslevel steigt → 5️⃣ Nächste Panikattacke

Es ist, als hätte unser Gehirn ein Fehlalarm-System programmiert, das immer wieder aktiviert wird. Die gute Nachricht: Dieses System kann umprogrammiert werden.

Fazit – und was das für uns bedeutet

Panikattacken sind nicht „einfach nur Angst“. Sie sind eine tief verwurzelte Schutzreaktion unseres Körpers, die in modernen Zeiten oft fehlgesteuert wird. Wissenschaftlich betrachtet sind sie eine Überreaktion unseres Angstzentrums – eine Reaktion, die wir verstehen und beeinflussen können.

Doch was bedeutet das für uns? Es bedeutet, dass du nicht verrückt bist. Es bedeutet, dass es eine Erklärung für das gibt, was du erlebst. Und es bedeutet, dass Veränderung möglich ist.

In meinem Coaching arbeite ich genau an diesem Punkt: Wir schauen uns an, warum dein Nervensystem überreagiert und wie du diese Muster nachhaltig verändern kannst. Statt bloßer Ablenkung oder oberflächlicher Atemübungen geht es darum, deine Angst dort zu lösen, wo sie entsteht – in deinem Unterbewusstsein.

👉 Wenn du bereit bist, deine Panikattacken endlich zu verstehen und gezielt daran zu arbeiten, dann lass uns sprechen. Gemeinsam finden wir heraus, was dein Nervensystem wirklich braucht, um in die Sicherheit zurückzukehren.

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Artikel #003: Warum es nicht hilft, Panikattacken zu vermeiden – Der richtige Umgang mit Angst.

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Artikel #001: Die erste Panikattacke – Wie du sie erkennst und was du tun solltest!